Klärungen

Gewalt ist immer präsent

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Von Anfang an. Nicht nur, weil dies seit dem Jahr 2000 im Bürgerlichen Gesetzbuch steht oder weil es für die Gesellschaft, langfristig betrachtet, kostengünstiger ist, in Prävention zu investieren, anstatt in spätere Therapien und Jugendgefängnisse (Berth 2012). Sondern einfach, weil zu jedem Menschen eine ihm eigene Würde gehört, die durch die Anwendung von Gewalt, gleich von welcher Seite und zu welchem Zweck, negiert wird.

Gewaltprävention Vorschule

Menschen können nur zusammenleben, wenn sie gewaltfrei miteinander umgehen. Dies ist die Grundlage jeder freien Gesellschaft und jeder Demokratie.

Gewaltprävention hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Dabei hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Prävention bereits im frühen Kindheitsalter beginnen sollte, um mögliche spätere negative Folgen von kindlichen Gewalterfahrungen zu verhindern. Gewaltprävention ist mit der Absicht oder gar dem Versprechen verbunden, Gewalt im Bereich von Kindern und Jugendlichen zu reduzieren, wenn nicht ganz abzuschaffen.

Diese Absicht wird mit der Erkenntnis konfrontiert, dass auch in modernen Gesellschaften ein weitgehend gewaltfreier Umgang als Grundlage des Zusammenlebens nicht gänzlich garantiert ist und wohl auch nicht garantiert werden kann. Die Gesellschaften, so der Historiker Sieferle (1998, S. 28), könnten der Gewalt nicht entkommen. Sie könnten nur versuchen, ihr eine kulturell verträgliche Form zu geben. Gewaltprävention will hierzu einen Beitrag leisten. Das Vorhandensein und die Suche nach den Ursachen von Gewalt sowie der Umgang damit gehören zu den großen Menschheitsthemen. Gewalt war und ist geschichtlich gesehen immer schon da. Nicht nur zwischen Menschen, sondern auch in Institutionen, Gemeinschaften und Gesellschaften. Dabei wurde und wird immer unterschieden zwischen der guten Gewalt als legitimes Mittel, um übergeordnete Ziele zu erreichen, und der schlechten Gewalt, die egoistisch und gemeinschaftsschädlich ist.

Gewalt ist eine Grundkonstante menschlichen Verhaltens, auf die immer dann zurückgegriffen wird, wenn andere Verhaltensweisen nicht zur Verfügung stehen. Entwicklungspsychologisch betrachtet taucht sie in bestimmten Lebensphasen wie z. B. dem Jugendalter besonders häufig auf. Deshalb sind Gewalt und Gewaltprävention auch wichtige Themen für die Begleitung von Kindern. Dabei geht es immer auch darum, was normales, erwartbares Verhalten ist, wann von der Norm abgewichen wird und wie dies zu bewerten ist. Denn was als Gewalt in der jeweiligen Situation bezeichnet wird, ist immer kultur- und kontextspezifisch und darüber hinaus historisch einzuordnen.

Gewalt ist jedoch nicht nur Abweichung von Normalität. Gewalt konstituiert sich auch aus sich selbst und ist ein eigenes Handlungs- und Legitimationssystem (vgl. Barberowski 2012, S. 8). Ermöglichungs- und Ermächtigungsräume für Gewalt zu kennen und diese zu begrenzen, sind Voraussetzungen für gelingende Prävention. Gewalterfahrungen auf der Täter- und auf der Opferseite verändern Menschen. Das Vorhandensein von Gewalt anzuerkennen, setzt voraus, sie auch wahrnehmen zu können und Antworten auf ihr Vorhandensein zu finden. Dabei ist davon auszugehen, dass Gewalt in den wenigsten Fällen sinnlos angewendet wird. Denn Verhalten ist auf die Befriedigung von Grundbedürfnissen angelegt und auch als Kommunikationsform zu verstehen. Wer also Gewaltprävention betreiben will, muss seine Zielgruppe, deren Bedürfnisse und Umwelt gut kennen.

Prävention
„Prävention ist zunächst das eigentliche und primäre Geschäft der Pädagogik. Prävention meint, dass Verhältnisse so stabil sein müssen, dass sich in ihnen schwieriges Verhalten nicht entwickelt bzw. dass es da, wo es anfängt sich zu entwickeln, aufgehalten und abgefangen werden kann. Prävention zielt auf Verhältnisse, die ein gelingendes Großwerden möglich machen. Prävention zielt darauf, und da gibt es großen Nachholbedarf, dass die Schulen [bzw. die vorschulischen Einrichtungen – d.V.] gut sind, dass die familialen Verhältnisse verlässlich und attraktiv sind, aber auch, dass es ein Gemeinwesen gibt, in dem Probleme aufgefangen werden können und nicht abgeschoben und exkludiert werden müssen.“ (Thiersch 2007)

Trotz aller gewaltpräventiven Bemühungen werden Aggression und Gewalt die Menschheit auch weiterhin begleiten. Nicht, weil sie angeboren wären, sondern zum einen, weil sie für viele eine nützliche Funktion für das Erreichen von Zielen haben und zum anderen, weil sie in Situationen emotionaler Erregung verbunden mit dem Gefühl der Ausweglosigkeit häufig als letztes Mittel (letzte Ressource) gesehen und angewendet werden.

Wie können sich in einer Gesellschaft, in der über viele Generationen hinweg Prügel als Erziehungsmittel selbstverständlich waren, gewaltfreie Verhaltensweisen durchsetzen (vgl. Müller-Münch 2011)? Verbote von Gewalt sind wichtig, um einen klaren Rahmen zu setzen, reichen aber bei weitem nicht aus. Es geht um Lernprozesse, die zu einer veränderten, neuen inneren Überzeugung und Haltung beitragen, zumal in einer Gesellschaft, in der die Durchsetzung eigener Interessen als das eigentlich richtige Handeln permanent betont wird. Dies benötigt Zeit und Energie, um Achtsamkeit im Umgang miteinander zu erlernen. Und es braucht Mut und Ermutigung, Alltagsweisheiten wie z. B. „Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet“ hinterfragen zu können – und zu wollen.

Im Vorschulbereich werden die Grundlagen für die weitere Entwicklung von Kindern gelegt. Dabei können prosoziale Fähigkeiten altersgemäß angebahnt und gefördert, dissoziale frühzeitig wahrgenommen und mit anderen Verhaltensangeboten konfrontiert werden. Gewaltprävention basiert auf der Annahme, dass, wenn nichts unternommen wird, eine negative Entwicklung einsetzen könnte, die (später) Probleme bereitet und zu vermeidbaren Kosten führt.

Gerade im Vorschulbereich erscheint es jedoch äußerst wichtig, Gewaltprävention nicht als eine Verhinderungspädagogik miss zu verstehen, sondern als Förderung und Ermöglichung einer positiven Entwicklung zu begreifen, die die körperlichen und psychischen Grundbedürfnisse von Kindern aufgreift.

Dieser gewaltpräventive Ansatz geht davon aus, dass aggressive Verhaltensweisen keine isolierten Phänomene sind, sondern eng mit (noch) nicht entwickelten sprachlichen und sozialen Fähigkeiten im Vorschulalter zusammenhängen, mit Erprobungsverhalten zu tun haben und oft auch auf tieferliegende Probleme hinweisen können. Neben der Herkunftsfamilie hat die pädagogische Qualität einer Einrichtung einen wichtigen unmittelbaren Einfluss auf das Sozialverhalten der Kinder im Allgemeinen und auf das Konflikt- und Gewaltverhalten im Besonderen. Eine „gute“ Pädagogik wirkt hier in einem allgemeinen Sinne präventiv.

Gewaltprävention ermöglicht es, durch die Entwicklung und Förderung prosozialen Verhaltens, von Konfliktlösekompetenz und sozial akzeptablen Ausdrucksformen kindlicher Aggression günstige Entwicklungsbedingungen zu unterstützen. Dabei geht es nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um die Verbesserung der sozialen Qualität der Einrichtung, der Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie um die Unterstützung von Eltern und Familien im Bereich der Erziehung.

Wie Gewaltprävention im Vorschulbereich verstanden wird und welche Maßnahmen angewendet werden, hängt stark davon ab, wie das Verhalten von Kindern bewertet und wie das, was Kinder brauchen, gesehen wird, welche Möglichkeiten der Entwicklung und der Unterstützung in der Familie und deren Umfeld vorhanden sind und welche Möglichkeiten die betreuenden Einrichtungen (Kindergarten, Kindertagesstätte, Krippen, Hort usw.) anbieten können.

Nur zögerlich aufgegriffen
Die Stiftung Deutsches Forum Kriminalprävention (DFK) befasst sich kontinuierlich und schwerpunktmäßig mit der Frage, wie Gewaltprävention systematisch und nachhaltig gestaltet werden kann. Sie stellt in ihrem 2013 veröffentlichten Leitfaden fest: „Erstens zeigt sich, dass die Bedarfe zur Stärkung von Erziehungskompetenzen in den Kindertagesstätten, Einrichtungen der sozialen Kinder- und Jugendarbeit und Schulen von ihren verantwortlichen Trägern und Verwaltungen nur (sehr) begrenzt systematisch aufgegriffen werden. D.h., insbesondere von Praxis und Experten für notwendig erachtete Anpassungen etwa in der Aus- und Fortbildung sowie bei der Organisationsentwicklung werden nicht oder nur zögerlich eingeleitet.“ (DFK 2013, S. 3)

Der Vorschulbereich

Der Begriff Kindergarten mutet heute altmodisch an. Man spricht heute von Kindertageseinrichtungen, von Frühpädagogik und Elementarbereich. Diesem Bereich wird nicht nur ein Betreuungsauftrag, sondern auch ein eigenständiger Bildungsauftrag zugeschrieben. Bildungspläne unterstützen die ganzheitliche Förderung der Kinder, denn es sollen keine kostbaren Jahre verschenkt werden.

Auch Friedrich Fröbel, der „Vater des Kindergartens“, sah dessen Aufgabe darin, Kinder zu bilden und Familien bei der Erziehung zu unterstützen. Ein Kindergarten wurde als Ort begleitender Erziehung verstanden, an dem die Entwicklung der einzelnen Kinder genau beobachtet und gefördert werden sollte. Maria Montessori hat hierzu wegweisende Ansätze entwickelt.

Die verstärkte Ganztagsbetreuung und das Angebot von Krippenplätzen sowie die zunehmende Akademisierung des Elementarbereichs haben den traditionellen Kindergarten verändert. Vor allem aber der Bildungsanspruch bringt neue Herausforderungen mit sich, denn die Bildungssysteme sollen und müssen stärker als früher miteinander kooperieren.

In diesem Band werden die Begriffe Kindereinrichtung, Kindertagesstätte und Kindergarten, Hort usw. synonym als Bezeichnung vorschulischer Einrichtungen verwendet, ohne dadurch deren je spezifische Verfasstheit ignorieren zu wollen.

Klärungen und Vergewisserungen

Wer in der Praxis Gewaltprävention betreibt, trifft bewusst oder unbewusst eine Vielzahl von (Vor-) Entscheidungen, die letztlich über die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen entscheiden.

Was soll unter Gewaltprävention verstanden werden?
Prävention bedeutet, durch Vorbeugen spätere Kosten zu verhindern. Dies will auch Gewaltprävention: Durch rechtzeitiges Handeln Gewalt vermeiden. Über diese allgemeine Absichtserklärung hinaus gibt es jedoch keine anerkannte Definition, was unter Gewaltprävention genau zu verstehen ist und wie Vorbeugung zu geschehen hat, obwohl der Begriff ständig in vielfältigen Zusammenhängen verwendet wird. Der Hinweis auf Gewaltprävention dient der Handlungslegitimation („Im Dienste der öffentlichen Sicherheit.“), der Forderung nach Ressourcen („Hier ist finanzielle Förderung dringend geboten.“), aber auch der Produktion von Konsens („Wir müssen alle kooperieren, denn wer ist nicht gegen Gewalt?“). Der Begriff wird für verschiedene Zwecke vereinnahmt und instrumentalisiert.

Zum Verständnis von Gewaltprävention„

Gewaltprävention zielt auf die direkte oder indirekte Beeinflussung von Personen bzw. Situationen, um das Risiko zu vermindern, dass Gewalttaten begangen und Menschen Täter oder Opfer von Gewalt werden.“ (Scheithauer u.a. 2012, S. 80)„ Gewaltprävention ist das reflektierte und absichtsvolle Handeln von Fachkräften (...) sowohl als fachlich begründete individuelle Interventionen wie als Handlungskonzepte von Einrichtungen mit verschiedenen Kooperationspartnern.“ (Sommerfeld 2008, S. 82)

Gewaltprävention Vorschule und Kindergarten

Ist die Absicht oder die Wirkung entscheidend?
Im Alltagsverständnis werden unter Gewaltprävention alle spezifischen und unspezifischen Handlungen verstanden, die die Absicht haben, Gewalt verhindern zu wollen. Gewaltprävention definiert sich dabei als Ziel bzw. als Absichtserklärung über das Wollen und das Vorhaben.

Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalprävention am Deutschen Jugendinstitut in München (2007) schlägt ein engeres Verständnis von Gewaltprävention vor: Es sollten nur diejenigen Maßnahmen als Gewaltprävention bezeichnet werden, die nachweislich auch Wirkung zeigen. Die Absicht allein, der Gewalt entgegenzuwirken, reiche nicht aus. Hier wird Gewaltprävention unter dem Wirkungsaspekt gesehen und deshalb auch vorgeschlagen, von „wirkungsbasierter Gewaltprävention“ zu sprechen.

Die Frage ist hier also, was wissen wir jeweils über die Wirkung der durchgeführten Maßnahmen und wie lässt sich Wirkung messen, wenn es um Ereignisse geht, die nicht eintreten sollen?

Ordnungspolitisch oder pädagogisch?
Unter dem Aspekt der prinzipiellen Vorgehensweise lassen sich eher ordnungspolitisch und eher pädagogisch orientierte Ansätze unterscheiden. Durch Disziplinar- und Ordnungsmaßnahmen Verhaltensprobleme in den Griff zu bekommen, stellt auch heute noch eine gängige pädagogische Praxis dar (Bueb 2008). Doch alle Untersuchungen weisen auf die Untauglichkeit dieser Mittel hin (Brumlik 2007). Primär sicherheits- und ordnungsorientierte Ansätze, die auf Kontrolle, Sanktionen und Strafen setzen, sind nicht nur nicht erfolgversprechend, sie sind geradezu kontraproduktiv, da sie die Probleme, die sie verhindern wollen, erst erzeugen.

Es kann bei Gewaltprävention nicht um die Herstellung absoluter physischer Sicherheit mit allen Mitteln gehen – ein Versprechen das nicht einlösbar ist –, sondern um die Bedingungen, für ein gewaltfreies Miteinander. Die Entwicklung eines Sicherheitsgefühls basiert auf gemeinsam erarbeiteten Regeln, auf Verlässlichkeit und vertrauensvollen Beziehungen.

Webcams in der Kita
„Bei meiner Suche war ich auch bei einer Krippe, die Videoüberwachung anbietet. Das heißt, die Eltern können ihr Kind von zu Hause aus per Computer ansehen, was es macht, wie es ihm geht. Nur Bild, kein Ton. Zugang würden nur die Eltern haben und es wäre ein Live-Stream, nichts würde aufgezeichnet und gespeichert werden.“ (Forumsbeitrag im Onlineportal www.kigaportal.com, Auszug)

Kinder: Täter oder Opfer?
Folgt man der öffentlichen Debatte um Gewaltprävention, so ist immer wieder festzustellen, dass Kinder (und vor allem Jugendliche) primär als (potenzielle) Täter gesehen werden. Gewaltprävention bedeutet in diesem Verständnis, die anderen („die Gesellschaft“) vor der Gewalt dieser Kinder und Jugendlichen zu schützen.

Diese Sichtweise ist nicht nur negativ und defizitorientiert, sondern auch falsch. Denn Kinder und Jugendliche sind nicht primär Täter, sondern in einem viel höheren Maße Opfer von (familiärer und anderer) Gewalt. Mit dieser Opfererfahrung verbunden, steigt das Risiko, selbst wiederum Täter zu werden (Baier/Pfeiffer 2009, S. 67).

Die Opferorganisation WEISSER RING formuliert hier unmissverständlich: Kinder sind immer Opfer. Auch in der Täterschaft sind Kinder Opfer. Gewaltprävention muss deshalb zuallererst heißen, Kinder (und Jugendliche) vor der Gewalt der anderen, der Erwachsenen in der Familie und in der Gesellschaft zu schützen. Nicht die Gesellschaft, sondern Kinder und Jugendliche sind die Schwachen, die es zu beschützen gilt. Dies wird u.a. in der UNO-Kinderrechtskonvention kompromisslos eingefordert und als gemeinsames Verständnis von Gewaltprävention bei der UNESCO und der Weltgesundheitsorganisation angewendet.

Kinder: Subjekte oder Objekte?
Kinder können sehr unterschiedlich wahrgenommen werden – als potenzielle Problemträger ebenso wie als Hoffnungsträger für zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen. Immer häufiger haben wir es mit der Gefahr der Institutionalisierung von Kindheit, mit der Pädagogisierung und Vereinnahmung des Vorschulbereichs für andere Interessen zu tun (vgl. Honig 2011).

Kinder gehören weder den Eltern noch dem Staat. Sie sind eigenständige Individuen und damit auch Träger von eigenen Rechten und Ansprüchen. Aber sie sind, da sie noch nicht selbständig und eigenverantwortlich leben können, auf die Fürsorge, Unterstützung und Begleitung ihrer Eltern oder anderer Erwachsener angewiesen. Sie benötigen Resonanz auf ihr Dasein, Zuwendung und Bindung ebenso wie Platz, sich zu entfalten und Grenzen, um zu wachsen. Gerald Hüther (2012, S. 15) betont, dass Kinder nicht nur die Fähigkeit haben, ständig Neues hinzuzulernen, sondern auch diese Lust, immer wieder Neues zu entdecken, mit auf die Welt bringen. Sie sind dabei aber auf die Resonanz und Unterstützung der Erwachsenen angewiesen.

Kinder im Vorschulbereich sind keine homogene Gruppe. Sie sind in ihrem Entwicklungsstand, ihren sozialen Fähigkeiten, ihren Herkunftsfamilien, in ihren sozialen Milieus und ihrem kulturellen Hintergrund sehr unterschiedlich.

Kinder sind ...

  • Kinder sind aktive Lerner.
  • Kinder konstruieren Wissen und Bedeutung.
  • Kinder lernen in sozialen Zusammenhängen.
  • Kinder lernen durch spielerische Aktivität und aktives Spiel.
  • Emotionale Sicherheit und Zuwendung bieten die Basis für kindliche Lernprozesse und die Entwicklung des Selbst.
  • Kinder lernen durch Teilhabe und Aushandlung.
  • Kinder haben das Recht auf Anerkennung ihrer Individualität.

(Dietrich u.a. 2007)

Verhalten und die Verhältnisse
Gewaltprävention, wie sie im vorschulischen Kontext verstanden und diskutiert wird, bezieht sich vor allem auf den primärpräventiven Bereich und dort auf die Verhaltensbeeinflussung (vgl. Schick 2010). Zu wenig zielen diese Präventionsprogramme auf die Einbeziehung und Beeinflussung der Lebenswelt und des Umfeldes, also auf Verhältnisse, die das auffällige Verhalten oft (mit-)bedingen.

Gewaltprävention muss also neben einer individuellen Dimension, die vor allem das Verhalten im Blick hat, auch eine institutionelle Dimension umfassen, die die Verhältnisse, die dieses Verhalten (mit-) bedingen, berücksichtigt. Sie muss darüber hinaus auch eine kulturelle, gesellschaftliche und politische Dimension beinhalten, die die Legitimations- und Bedingungsebenen dieser Verhältnisse einbezieht. Mit dem Instrument der „Frühen Hilfen“ im Kontext von Kindeswohlgefährdungen wurde im Vorschulbereich ein Schritt in diese Richtung unternommen.

Einzelprogramme und/oder ganzheitliche Ansätze
Für die Praxis der Gewaltprävention wurden inzwischen für Kinder und Eltern eine Reihe von Präventionsprogrammen entwickelt, die meist spezifische Aspekte des sozialen Lernens und der Verhaltenskontrolle fördern sollen. Solche Programme sind für die Fachkräfte entlastend, da sie klar strukturierte Vorgaben machen, wie sie anzuwenden sind und von denen, wenn es sich um standardisierte und evaluierte Programme handelt, auch eine Wirkung zu erwarten ist. Diese Programme dürfen jedoch nicht für sich allein stehen, sondern müssen auf ein Umfeld treffen, das die Weiterentwicklung einer guten pädagogischen Praxis zum Ziel hat. Beide Zugänge ergänzen sich und sind aufeinander bezogen.

Gewaltprävention Vorschule und Kindergarten

Das Verständnis von Gewalt
Da Gewalt weder ignoriert noch geduldet werden darf, ist es für eine gelingende Gewaltprävention unumgänglich, über einen präzisen Gewaltbegriff zu verfügen. Was unter Gewalt genau zu verstehen ist, ist jedoch weder in der Wissenschaft noch in der Politik geklärt und wird auch im Bereich der Vorschule kaum ausgewiesen oder diskutiert.

Insbesondere, ob der Begriff Gewalt für das Verhalten von Kindern im Vorschulbereich überhaupt angemessen ist oder ob nicht besser je nach Situation von „kindlich-aggressivem Verhalten“ oder „auffälligem“ oder „störendem Verhalten“ gesprochen werden sollte. Umgangssprachlich wird Gewalt mit Schädigung und Verletzung von Personen und Sachen in Verbindung gebracht, wobei die Begriffe Aggression und Gewalt häufig synonym verwendet werden, obwohl sie von ihrem Bedeutungsgehalt her Unterschiedliches bezeichnen. So unterscheidet Erich Fromm (1977) z. B. zwischen konstruktiver und destruktiver Aggression.

Unter Gewalt werden heute vor allem die Phänomene körperliche und verbale Gewalt sowie Mobbing diskutiert. Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte verstehen unter Gewalt sehr verschiedene Dinge, zumal Kinder diesen Begriff nicht gebrauchen, sondern Verhalten eher gezielt beschreiben („Der hat mir weh getan.“). Im vorschulischen wie im schulischen Kontext wird der Begriff Gewalt eher unspezifisch, unscharf und inflationär verwendet. Verhaltensprobleme und Auffälligkeiten werden als Gewalt bezeichnet und damit letztlich auf die gleiche Stufe gestellt wie körperliche Angriffe oder Vandalismus.

Einen Vorgang als Gewalt zu benennen, heißt jedoch, eine Anklage zu formulieren und die Schuldfrage zu moralisieren, um dadurch Handlungsdruck zu erzeugen, meint Friedhelm Neidhard (1986, S. 140).

Um Gewalt sinnvoll fassen zu können, ist nicht nur die Tat als solche, sondern vor allem die Frage nach der Motivation und Intention sowie ihr Kontext zu berücksichtigen. Die beabsichtigte Gewaltausübung mit dem Ziel der Verletzung des anderen muss anders bewertet werden als Handlungen, die zwar Gewalt verursacht haben, die aber nicht intendiert war.

Der Fokus des Gewaltbegriffs ist häufig kindbezogen und hat Elterngewalt oder Gewalt durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen wenig im Blickfeld. Auch der gesamte Bereich der Autoaggression, also Selbstverletzungen, wird kaum miteinbezogen.

Es geht also darum, das eigene Gewaltverständnis zu klären. Dabei taucht die Schwierigkeit auf, dass Gewalt in unserer Gesellschaft nicht durchgängig tabuisiert, illegal und illegitim ist, es gibt auch die tolerierte, legale und die legitime Gewalt.

Das Ausmaß von Gewalt
Gewalterfahrungen in der Familie sind auch heute noch weit verbreitet. 50 % der Eltern in Deutschland wenden in der Erziehung immer noch Körperstrafen an, wenngleich nicht aus Überzeugung, sondern aus Hilflosigkeit. Im ersten Lebensjahr sterben mehr Kinder an den Folgen von Vernachlässigung und Misshandlung als in jedem späteren Alter. Im Alter von 3–6 Jahren zeigen 15 % der Jungen und 10 % der Mädchen Verhaltensauffälligkeiten. Bei Kindern mit Migrationshintergrund verdoppeln sich diese Zahlen und bei Kindern aus Familien mit niedrigem sozialen Status werden Verhaltensauffälligkeiten viermal so häufig festgestellt (BMFSFJ 2009, S. 89, 97).

Kaum untersucht ist das Gewaltverhalten (sei es in offener oder subtiler Form) von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern von pädagogischen Einrichtungen, obwohl dieses nicht unerheblich sein dürfte. Solches Verhalten ist strengstens verboten und dürfte eigentlich gar nicht vorkommen. Das Ausmaß der strukturellen Gewalt wird deutlich, wenn man etwa die Verbreitung der Kinderarmut in Deutschland zur Kenntnis nimmt, die ja nicht nur die materielle Dimension umfasst. Strukturelle Gewalt wird auch deutlich, wenn man die Ergebnisse der internationalen Bildungsforschung aufgreift, in denen regelmäßig der enge Zusammenhang zwischen der sozio-ökonomischen Herkunft der Schülerinnen und Schüler in Deutschland und ihrem Bildungserfolg festgestellt wird (OECD 2010).

Die Risikofaktoren für Gewalt kennen
Für die Entstehung von Gewalt können nicht einzelne Bedingungen (Risikofaktoren) verantwortlich gemacht werden, sondern eine Kumulation von Risiken führt zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von gewalttätigen Verhaltensmustern (Scheithauer 2012, S.72).

Die Risikofaktoren für Gewalt sind weitgehend bekannt und oft beschrieben: Zu ihnen gehören im persönlichen Umfeld u.a. das Erleben elterlicher Gewalt, Vernachlässigung, das Fehlen eines positiven Erziehungsstils im Elternhaus, der Konsum altersgefährdender Medien, der Kontakt mit delinquenten Freunden und gewaltakzeptierenden Männlichkeitsnormen (Baier u.a. 2010, S. 12).

Zu den institutionellen Risikofaktoren zählen ein schlechtes soziales Betriebsklima, schlechte Qualität der Beziehungen zwischen den Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern und Kindern, mangelnde pädagogische Qualität in der Einrichtung, unzureichende Personalschlüssel, das Fehlen von Instrumenten der Konfliktbearbeitung, mangelnde individuelle Förderung, mangelnde Partizipationsformen oder ein schlechter Zustand der Gebäude und eine unzureichende Ausstattung.

Zu den gesellschaftlichen Risikofaktoren gehören Entwicklungen wie der ökonomische Wandel, die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise, verbunden mit dem Risiko der Marginalisierung und möglicher oder tatsächlicher Armut sowie sozialer Ausgrenzung. Damit korrespondieren fehlende Zukunftsperspektiven, die eng mit fehlenden Bildungsabschlüssen verbunden sind. Auch ein öffentliches Klima, das Gewalt nicht eindeutig verurteilt, gehört in diesen Kontext.

Der Zusammenhang zwischen mangelnden sprachlichen Fähigkeiten, schulischen Misserfolgen, fehlenden Bildungsabschlüssen und Gewalt ist gravierend und seit Langem bekannt.

Medieneinflüsse
Kinder leben heute in einer von Medien geprägten Welt. Der Umgang mit Medien ist schon für viele Kleinkinder selbstverständlich und gehört zum Alltag. Eine viel diskutierte Frage ist, ob bzw. welchen Einfluss Gewaltdarstellungen in Medien auf reales Gewaltverhalten haben. Gerade bei Kindern sind negative Auswirkungen des Konsums von Mediengewalt nicht auszuschließen. Einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sind jedoch nicht haltbar.

Jungen und Mädchen
Aggression und Gewalt sind Verhaltensweisen, die vor allem Männern zugeschrieben werden und die auch vor allem Männer treffen. Bei Jungen sind körperliche Audrucksformen von Aggression und Gewalt stärker verbreitet als bei Mädchen. Bei Mädchen kommt die indirekte und psychische Gewalt in der späten Kindheit häufiger vor als bei Jungen (Scheithauer u.a. 2012, S. 70). Im Bereich der Vorschule dürfen jedoch lautes und raumgreifendes Spielen von Jungen oder Raufen und „Körperspaß“ nicht mit gewalttätigem Verhalten verwechselt werden.

Über 90 % der Fachkräfte im Vorschulbereich sind Frauen. Dass hier so wenige Männer beschäftigt sind, hat wesentlich mit der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung dieses Berufsfeldes, der geringen Bezahlung und den fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten zu tun. Unter entwicklungspsychologischen Aspekten ist zu diskutieren, welche Folgen das weitgehende Fehlen männlicher Identifikationsfiguren für die Entwicklung der Geschlechteridentität (von Mädchen und Jungen) sowie des geschlechtsspezifischen Ausdrucksverhaltens haben kann. Bienek und Stoklossa (2007, S. 115) sehen die Abwesenheit von Männern sogar als ein Schlüsselproblem in diesem Bereich, das thematisiert werden müsse.

Gewaltprävention Vorschule und Kindergarten

Die Gelingensbedingungen kennen
Die „Gelingensbedingungen“ für Gewaltprävention lassen sich heute immer deutlicher beschreiben. Zu ihnen zählen auf einer allgemeinen Ebene (vgl. Scheithauer 2012, S. 60 ff.):

  • genaue Problemanalysen durchführen.
  • früh beginnen
  • auf mehreren Ebenen ansetzen
  • Entwicklungsaufgaben und -übergänge berücksichtigen
  • Peerorientierung unter Einbeziehung von Erwachsenen anstreben
  • nur wissenschaftlich fundierte und evaluierte Maßnahmen einsetzen
  • die eingesetzten Programme entsprechend ihrer Vorgaben implementieren
  • protektive Faktoren aufgreifen und mit den Ressourcen der Kinder arbeiten
  • über längere Zeiträume arbeiten
  • vernetzt und im Verbund mit anderen Trägern (Polizei, Jugendhilfe) und anderen Einrichtungen arbeiten
  • Evaluation und wissenschaftliche Begleitung anstreben.
  • Diese Gelingensbedingungen lassen sich für pädagogische Einrichtungen noch präzisieren (vgl. Melzer 2006, S. 31 f.). Erforderlich sind:
  • das Engagement, die Überzeugungskraft und die Durchsetzungsfähigkeit der Leitung der Einrichtung
  • das gemeinsame, geschlossene Handeln des pädagogischen Personals, insbesondere bei Konflikt- bzw. Gewaltsituationen
  • die Bereitschaft, bei Gewalt nicht wegzuschauen, sondern einzugreifen und pädagogisch angemessen zu reagieren
  • ein positives Verhältnis des pädagogischen Personals zu den Kindern und Eltern, ein partnerschaftlicher und vertrauensvoller Umgang miteinander
  • Vermeiden von Überreaktionen, Stigmatisierungen und Etikettierungen. Bloßstellende und verletzende Bemerkungen von Fachkräften gegenüber den Kindern sollten unterbleiben.

Frühe Kindheit
Ohne Zweifel werden in der frühen Kindheit die Weichen für das spätere Leben gestellt. Wie wir aus zahlreichen Studien wissen, „haben es Menschen, die in dieser Phase vernachlässigt, misshandelt oder missbraucht werden, schwer, später stabile Beziehungen einzugehen, in der Schule Erfolg zu haben, gesund zu bleiben und gesellschaftlich erfolgreich zu sein. Ohne frühe positive Erfahrungen ist es auch kaum möglich, der nächsten Generation entsprechende Erfahrungen zu vermitteln. Probleme können sich also über Generationen fortpflanzen.“ (Pauen 2012, S. 11)

Das gesellschaftliche Umfeld im Blick haben

Gewaltprävention geschieht nicht im luftleeren Raum. Sie trifft auch auf gesellschaftliche Strömungen, Einstellungen und Haltungen, die es zu sehen und zu beantworten gilt und die quasi die Rahmenbedingungen für gewaltpräventives Handeln darstellen. Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer (2011) hat mit seiner Forschungsgruppe das Konzept der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ entwickelt und spezifische Einstellungen über den Zeitraum der letzten zehn Jahre jährlich erhoben.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bildet den Boden für die Legitimation von Gewalt gegen Schwächere. Heitmeyer diagnostiziert den Zustand der Deutschen wie folgt (Spiegel 20/2011, S. 71): „Die zunehmende soziale Spaltung zersetzt das Miteinander, die Gesellschaft ist vergiftet. Soziale Desintegration ist gefährlich, insbesondere für schwache Gruppen. Erhebliche Teile denken, sie seien mehr wert als andere. Nur wer etwas leistet, wer nützlich ist, wer effizient ist, zählt etwas.“

Diese Ökonomisierung der Bewertung von Menschen sei unmenschlich, da Zuwanderer, Obdachlose, Langzeitarbeitslose, Behinderte usw. nach diesen Maßstäben weniger wert seien. Nicht die Jugendlichen, sondern die Älteren, die über 60-Jährigen, würden dabei besonders feindselige Einstellungen aufweisen. Das sei gefährlich, da die Einstellungen der älteren Generation sich in vielen Fällen auf die jungen Leute übertrage.

Präventionsbereiche

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO 2002) unterscheidet Maßnahmen und Programme der Gewaltprävention anhand von zwei Dimensionen:

  • Zeitliche Dimension: In diesem Kontext wird von primärer, sekundärer und tertiärer Gewaltprävention gesprochen.
  • Zielgruppendimension: Hierbei gibt es Strategien, die sich allgemein an jedermann wenden, aber auch Interventionen, die sich speziell an Täter und Opfer oder an Hochrisikogruppen richten.
Gewaltprävention Vorschule und Kindergarten

Primäre, sekundäre, tertiäre Prävention
Die Einteilung in primäre, sekundäre und tertiäre Prävention berücksichtigt, an welcher Stelle das entsprechende Programm in der Kette der Risikofaktoren von „lange, bevor Gewalt auftritt“ bis zu „lange, nachdem Gewalt aufgetreten ist“ angesiedelt ist.

  • Primäre Prävention richtet sich unspezifisch an alle Kinder und Jugendliche und versucht, u.a. durch die Stärkung sozialer Kompetenzen, Gefährdung zu verhindern. Ein typischer Slogan hierfür ist: „Kinder stark machen“.
  • Sekundäre Prävention wendet sich an konkrete, identifizierbar gefährdete Personen und Gruppen. Mit speziellen Programmen erhalten diese Unterstützung und Förderung.
  • Tertiäre Prävention wendet sich an diejenigen, die bereits auffällig, gewalttätig oder straffällig geworden sind. Ziel ist es, eine erneute Gewalthandlung oder Straffälligkeit zu verhindern.

Mittelschichtsorientierung überwinden
Wenn sich die Angebote von pädagogischen Einrichtungen in erster Linie an Mittelschichtserwartungen orientieren und die Voraussetzungen anderer Nutzergruppen vernachlässigen, finden Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sozial benachteiligten Verhältnissen wenig Anerkennung und Unterstützung durch die Fachkräfte. Dies ist umso problematischer, als sich empirisch immer wieder zeigt, dass gute soziale Beziehungen zwischen Erziehungs- oder Lehrkräften und Kindern ein entscheidender Faktor für die förderliche Wirkung der Kita, Beratungsstelle oder Ganztagsschule ist. (Olk 2013, S. 18)

Gewaltprävention beinhaltet in diesem Verständnis also Prävention im Sinne langfristiger, vorbeugender Arbeit, Interventionsstrategien zum Verhalten in akuten Gewalt- und Konfliktsituationen sowie Maßnahmen zur Konfliktregelung und Nachbearbeitung von Gewaltsituationen. Während im Bereich primärer Prävention Aufklärung und eine „gute Erziehungs- und Bildungsarbeit“ gefragt sind, die prinzipiell von allen ausgeübt werden können, sind in den Bereichen sekundärer und tertiärer Prävention spezifische Kenntnisse erforderlich, die durch eigenständige Zusatzqualifikationen erworben werden.

Im Kindergarten haben primär- und sekundärpräventive Ansätze Bedeutung. Kinder, die durch massives aggressives Verhalten auffällig geworden sind, benötigen spezifische heilpädagogische oder therapeutische Begleitung.

Ebenen der Gewaltprävention

Klärungen - Umsetzung konkret

Gewaltprävention setzt spezifische Klärungen voraus, die oben beschrieben wurden. Die Materialien dienen dieser Klärung. Sie haben wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung das gesamte Kinder- und Jugendalter im Blick und beziehen somit immer auch den Vorschulbereich mit ein.

Prinzipielle Klärungen
M1 thematisiert prinzipielle Fragen, die der Klärung bedürfen, wenn Gewaltprävention eingeführt wird. Weitere Fragen kommen später hinzu.

Den Kontext von Gewaltprävention kennen
M2 und M3 thematisieren die Tendenz von (Gewalt-)Prävention, zunehmend bei jüngeren Kindern zu beginnen und stellen die Frage, wo Gewaltprävention über die normale vorschulische Arbeit hinausgeht.

Der prinzipielle Ansatz von Gewaltprävention
Gewaltprävention beruht auf der Begrenzung bzw. Ausschaltung von Risikofaktoren und der Förderung von Schutzfaktoren. M4 „Wie wirkt Prävention?“ erläutert diesen prinzipiellen Ansatz und M5 stellt ihn in einen entwicklungsbezogenen Kontext. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachen identifiziert vier zentrale Felder für Präventionsarbeit: Familie, Bildungschancen, Männlichkeitsnormen und den Umgang mit Medien (M6). Diese Felder können auf ihre Relevanz für den Vorschulbereich überprüft werden.

Jungen im Blick
Gewaltprävention thematisiert stark die Lebenswelt von Jungen. Der 2013 veröffentlichte „Männergesundheitsbericht“ (M7) fordert, dass qualifizierte Präventionskonzepte Jungen nicht nur als Täter sehen, sondern gerade die psychische Bewältigung von Opfererfahrungen zum Thema machen müssten.

Best Practice
Die Untersuchungen des Perry-Preschool-Modells (M8) zeigen, welche Erfolge eine langfristig angelegte Präventionsarbeit mit sich bringen kann. Dabei muss jedoch die Reichweite des Modells klar benannt werden.

Arbeitsmaterialien als PDF zum Download